Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages luden die Österreichischen Freunde von Yad Vashem zusammen mit der Stadt Linz zu einer Gedenkstunde im Alten Rathaus in Linz.
Im Anschluss an die berührende Zeremonie im Pressesaal wurde im Foyer die Ausstellung Der Eichmann-Prozess eröffnet.

Ein kurzer Dokumentarfilm über den Prozess gegen Adolf Eichmann ließ in die erschütternde NS-Realität einblicken.

 

 

Vizebotschafterin Galit Ronen

In ihren Grußworten zur Ausstellungseröffnung würdigte die Vizebotschafterin des Staates Israel, Galit Ronen, vor allem die mutigen Taten jener Menschen, die während der NS-Zeit unter Lebensgefahr Juden retteten und so der Vernichtungsmaschinerie entgegentraten. Jeder, der eine Seele rette, der rette die ganze Welt, zitierte Ronen aus dem Talmud.

 

 

 

 

Dr. Leopold Heinrich Ammerer

Dr. Leopold Ammerer, Richter im Ruhestand, bezeichnete in seinem Referat den lange umstrittenen Prozess gegen Adolf Eichmann als international rechtskonform. Das Verfahren habe auch den Ansprüchen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte genügt. Problematischer sei hingegen die Entführung Eichmanns aus Argentinien gewesen. Der Staat Österreich habe kein Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt, obwohl Eichmann einen bedeutenden Teil seiner Verbrechen in Wien begangen oder von dort aus koordiniert hatte.

 

 

 

Vizebgm. MMag. Klaus Luger

Vizebürgermeister MMag. Klaus Luger ging auf den historischen Hintergrund ein, vor dem Menschen wie Adolf Eichmann oder Ernst Kaltenbrunner in Linz aufwuchsen. Die gesellschaftliche Elite dieser Zeit sei deutschnational eingestellt gewesen, offen rassistisch und antisemitisch. Juden und Tschechen seien die bevorzugten Hassobjekte gewesen. Dennoch sei Adolf Eichmann zuerst wohl nicht antisemitischer eingestellt gewesen als wohl 80 Prozent der Menschen seiner Zeit. Erst die verbissene Einstellung „Eid ist Eid“ - wie er sie auch beim Prozess in Jerusalem zum Ausdruck brachte - habe ihn zum Obermeister der technokratischen Menschenvernichtung gemacht.

 

 

Günther Schuster

Vorsitzender Günther Schuster resümierte in seiner Eröffnungsrede: Wenn wir hier diese Ausstellung zeigen, möchten wir damit erneut an den Holocaust und seine Folgen erinnern. Auch wenn manche nicht mehr hinhören und hinsehen wollen, auch wenn es bedrücken und ermüden sollte. Das Erinnern darf nie aufhören oder leiser werden. Der Holocaust ist Teil unserer Geschichte und damit Teil unserer Identität. Das Vergessen hingegen ist die Voraussetzung dafür, dass sich alles wiederholt.

 

 

Im Rahmen der Feier wurde auch - anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages der UN - der Opfer der nationalsozialistischen Völkermorde gedacht. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, DI George Wozasek, sprach das Kaddisch für die Opfer der Shoa. Diözesanbischof em. Dr. Maximilian Aichern und der evangelische Superintendent Dr. Gerold Lehner schlossen sich mit Gebeten an.

 

 

 

Musikalisch einfühlsam umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von den beiden Violinisten MMag. Ilse Kepplinger und Martin Kalista.