20.03.2017

Generalversammlung 2017

20. März 2017 um 16:00 Uhr: Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem in der Akademie der Wissenschaften in Wien,
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

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Wien – Am 20. März 2017 hielten die Österreichischen Freunde von Yad Vashem ihre jährliche Generalversammlung im Festsaal der Akademie der Wissenschaften ab. Vor 350 Mitgliedern und geladenen Gästen betonten Österreichs Bundeskanzler Mag. Christian Kern und Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner einhellig die Verpflichtung, das Andenken an die Opfer der Shoa wach zu halten und zu verhindern, dass Derartiges je wieder geschehen könne. Israels Vizebotschafterin Hadas Wittenberg-Silverstein überbrachte Grußworte. Festvortragende war die Wiener Holocaust-Überlebende Dr. Erika Padan-Freeman. Die bekannte Psychoanalytikerin berichtete in Auszügen aus ihrem Leben. Unter den vielen prominenten Gästen konnten auch die Bundesminister Dr. Sophie Karmasin und Mag. Hans Peter Doskozil, die Botschafter mehrerer Länder sowie Oberrabbiner Arie Folger und die Präsidenten aller Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs begrüßt werden.

Der Altpräsident der ÖAW Univ.Prof DI. Dr. Herbert Mang begrüßte die Festgäste. Präsident Univ.Prof. Dr. Anton Zeilinger übermittelte eine Videobotschaft.

 

 


Vorsitzender Günther Schuster stellte fest, dass der Antisemitismus nicht tot, sondern erschreckende Realität in unserer Zeit sei. Die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust würden zunehmend vergessen oder missinterpretiert und die westliche Welt laufe Gefahr, nationalistischen und rechtsextremen Kräften erneut Raum zu geben. Man stehe auch vor der Aufgabe, neue Wege für das Gedenken finden zu müssen, da die Zeitzeugen immer weniger werden. 
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Israels Vizebotschafterin Hadas Wittenberg-Silverstein ging auf die Bedeutung Yad Vashems als weltweit anerkannte Gedenk- und Forschungsstätte ein. Yad Vashem verändere Menschen, niemand könne davon unberührt bleiben. Die Ergebnisse der Forschung werden Millionen Menschen zugänglich gemacht und helfen Angehörigen, Schicksale aufzuklären. Doch die Shoa sei nicht nur Erinnerung für die Juden, sie müsse Erinnerung für die ganze Menschheit sein.
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Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner bedankte sich bei den Österreichischen Freunden von Yad Vashem für deren Arbeit und erinnerte daran, dass der Holocaust nicht erst in den Konzentrationslagern begann, sondern in unserer Mitte. Heute werde man mit der Frage konfrontiert, warum man sich erinnern müsse. Doch wer nicht wisse, wohin die unmenschliche Rassenideologie des Nationalsozialismus geführt habe, der werde nicht kritikfähig sein gegenüber neuen Formen von Rassismus und Extremismus. Wer nicht nachvollziehen könne, in welche Katastrophe der Zweite Weltkrieg fast die ganze Welt gestürzt hat, der werde nicht gegen Gewalt aufstehen. Es gehe nicht um rückwärtsgewandte Erinnerung, sondern darum, zukunftsorientiert unsere Verpflichtungen wahrzunehmen.
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Bundeskanzler Mag. Christian Kern würdigte die Arbeit der Österreichischen Freunde von Yad Vashem als großen Dienst für die Republik. Er erzählte die Geschichte seiner Mutter, die als Mädchen in der NS-Zeit einem älteren jüdischen Ehepaar oft das Essen gebracht hatte. Eines Tages sei die Gestapo vor dem Haus gestanden und habe seine Mutter fortgejagt. Das jüdische Ehepaar sei nie mehr gesehen worden, so der Bundeskanzler. Seine Mutter - als Augenzeugin - habe immer wieder davon gesprochen. Doch viele junge Menschen hätten heute dieses Privileg nicht. Mittlerweile fehle ein Glied der Übertragung. Deshalb sei auch die Arbeit der Österreichischen Freunde von Yad Vashem so wichtig. Nur die Opfer hätten ein Recht auf Vergessen, alle anderen aber die Pflicht, sich zu erinnern.
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Dr. Erika Padan-Freeman erinnerte sich an den Anschluss Österreichs und an den Einmarsch der Deutschen. Weil sie blonde Zöpfe trug, habe sie ein SS—Mann hochgehoben und betont: „So soll ein deutsches Kind aussehen!“.
Durch Glück habe sie als Kind das nötige Zertifikat für die Einreise nach Palästina bekommen. Doch weil darauf kein Name stand, verzichtete Erika darauf, damit ein anderes Kind gerettet werden könne. Sie selbst gelangte als 12Jährige völlig alleine und schutzlos auf Umwegen in die USA. Dort schloss sie später ihre Studien ab und wurde zu einer der berühmtesten Psychoanalytikerinnen.
Erika Padan-Freeman ging in ihrer Rede auch auf den Überlebenskampf des Staates Israel ein und war seinerzeit auch persönliche Beraterin der legendären israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir.
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Die Generalversammlung wurde vom Musikerpaar Ilia Korol und Natalia Grigorieva virtuos umrahmt.

Beim Buffet in der Aula gab es noch viele anregende Gespräche.