07.11.2013

Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome

Am 7. November veranstalteten die Österreichischen Freunde von Yad Vashem eine Gedenkstunde anlässlich des 75. Jahrestages der nationalsozialistischen Novemberpogrome. Vor 200 Gästen sprach der 91jährige Zeitzeuge Gottfried Leitner, der als Jugendlicher die Zerstörung der Linzer Synagoge miterlebt hatte und kurzentschlossen eingeschritten war. 

1922 in Bad Goisern geboren, war Gottfried Leitner schon als Kind Zielscheibe nationalsozialistischer Anfeindungen geworden. Sein als judenfreundlich bekannter Vater wurde während des Juli-Putsches 1934 von illegalen Nazis bedroht, konnte sich jedoch verstecken. Gottfried Leitners Elternhaus wurde jedoch von den „Illegalen“ auch beschossen. Als Gymnasiast schloss sich Leitner in Linz der monarchistischen Jugendgruppe „Schwarz-Gelbe-Aktion“ an, und leistete nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich in vielfacher Weise Widerstand.

Am 9. November 1938 wurden der 16jährige und seine Kommilitonen von einem Tumult in der Nähe der Linzer Bethlehemstraße überrascht. Sie entdeckten, dass die Synagoge in Brand gesteckt worden war. Kurzentschlossen stiegen sie über eine Mauer und näherten sich von der Rückseite dem jüdischen Bethaus. Leitner schildert, dass er und seine Freunde zwei Thorarollen und mehrere Kultgegenstände aus der brennenden Synagoge retteten und in Sicherheit brachten.

 

Auch danach leistete Leitner weiter Widerstand gegen das Regime. Mehrmals wurde er inhaftiert, gefoltert und auch zum Tode verurteilt. Wie durch ein Wunder entging der überzeugte Monarchist jedoch seiner Exekution und überlebte den Krieg.

Der Zeitzeugenbericht wurde umrahmt von einer Filmcollage mit Aufnahmen der brennenden Synagoge, von Texten und von musikalischen Beiträgen der Querflötistin Mirjam Arthofer und des Pianisten Simon Raab. Im Anschluss an die Gedenkstunde wurden auch Führungen durch die neue Ausstellung Die Gerechten. Courage ist eine Frage der Entscheidung angeboten.