11.09.2013

Die Gerechten - Ausstellungseröffnung in Steyr

Ausstellungseröffnung in Steyr

Nach jahrelangen Vorarbeiten und intensiven Recherchen ist es nun soweit: am 11. September konnten die Österreichischen Freunde von Yad Vashem ihre groß angelegte Ausstellung über die österreichischen Gerechten unter den Völkern feierlich eröffnen. 400 geladene Gäste nahmen an der Ausstellungseröffnung im Museum Arbeitswelt in Steyr teil.

Die Schau stellt die mutigen Rettungstaten der 90 bekannten österreichischen Judenretter während der NS-Zeit dar - und sie enthält auch eine wissenschaftliche Sensation: einen Koffer voller bisher unbekannter Dokumente und Fotos aus dem Nachlass des Wiener Gerechten Julius Madritsch.

Zur Eröffnung der Ausstellung in Steyr kam aus Yad Vashem, Jerusalem der Direktor für die internationalen Beziehungen, Shaya Ben Yehuda, angereist. Für den Staat Israel nahm S.E., Botschafter Aviv ShirOn an der Veranstaltung teil. Die Gerettete Angelica Bäumer erzählte in einem ausführlichen Interview über ihren  Lebensretter, den Salzburger Pfarrer Balthasar Linsinger.

Die Ausstellung, die von den beiden Universitätsprofessoren Dr. Michael John (Kurator) und Dr. Albert Lichtblau ausgearbeitet wurde, beschränkt sich aber nicht auf die Betrachtung der österreichischen Gerechten. Sie zeigt genauso das Umfeld, in dem sich das nationalsozialistische Mordregime entwickeln konnte. Und sie zeigt die österreichischen Täter, die den Holocaust durch ihr  Machtstreben, ihren Ehrgeiz, ihre Grausamkeit und ihre Teilnahmslosigkeit möglich machten und ihn auch durchführten.

In diesem Meer aus Dunkelheit waren die mutigen Rettungstaten der Gerechten vereinzelte Lichter der Hoffnung. Die Ausstellung führt den Betrachter aber auch ins Heute und zählt Beispiele auf, wie Menschen durch Courage und Beharrlichkeit auch in der Gegenwart Veränderungen zum Guten bewirken können.

 

 

Einer dieser Gerechten ist war der Wiener Unternehmer Julius Madritsch. Aus seinem Nachlass sind nun bisher unbekannte Unterlagen aufgetaucht, die in der Ausstellung gezeigt werden. Madritsch hatte – wie auch Oskar Schindler – eine Fabrik in Krakau betrieben und den festen Entschluss gefasst, seine 1.800 jüdischen MitarbeiterInnen zu retten. Die nun entdeckten Dokumente beinhalten den gesamten Schriftverkehr dieses mutigen Österreichers mit der NS-Obrigkeit.

Besonders berührend ist ein Fotoalbum, das seine jüdischen Arbeiter 1943 unter widrigsten Umständen als Geburtstagsgeschenk für Madritsch anfertigten. Auch dieses Album ist im Original zu besichtigen.  

 

Auch die mutigen Taten vieler anderer österreichischer Gerechter sind in der Ausstellung dargestellt. Interviews mit Geretteten, Angehörigen und Wegbegleitern verdeutlichen die unglaubliche Courage, mit der diese Menschen dem Regime widerstanden und ein bleibendes Zeichen der Menschlichkeit gesetzt haben.

Die Ausstellung war bis 22. Dezember 2013 im Museum Arbeitswelt in Steyr zu besichtigen. Ab Mai 2014 wird sie in Graz gezeigt. Für Wien suchen wir noch einen geeigneten Ausstellungsort. Später soll sie auch in anderen Bundesländern gezeigt werden. 

Das Interesse ist groß und einige Orte werden derzeit ausverhandelt.