04.03.2013

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bei Jubiläums-Generalversammlung in Wien

 

Am 4. März 2013 feierten die Österreichischen Freunde von Yad Vashem im prunkvollen Festsaal des Wiener Rathauses ein besonderes Jubiläum: Ihr zehnjähriges Bestehen. Festredner der Jubiläums-Generalversammlung waren Bundespräsident Dr. Heinz Fischer sowie die Ehrenpräsidentin des Freundeskreises, Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer.

Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner, Israels Botschafter Aviv ShirOn, Wiens Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg und der Wiener Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny richteten Grußworte an die versammelten Mitglieder. Aus Jerusalem kam die Chefhistorikerin Yad Vashems, Univ.Prof. Dina Porat, zur Generalversammlung nach Wien. Unter den Ehrengästen fanden sich weiters Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Landwirtschaftsminister DI Nikolaus Berlakovic sowie Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky.

 

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, der mit seiner Gattin Margit zur Generalversammlung gekommen war, betonte in seiner Festrede die Wichtigkeit, auch weiterhin an die NS-Zeit und den Holocaust zu erinnern, daran zu forschen, darüber nachzudenken und zu berichten. Es gehe auch darum, Lebensverhältnisse zu schaffen, die nicht die Gefahr in sich tragen, dass fremdenfeindliche Parolen, Schlagworte und Appelle an die negativen Seiten in der menschlichen Seele wirksam werden. Dr. Fischer bedankte sich ausdrücklich bei den Österreichischen Freunden von Yad Vashem für ihre Arbeit.

Sehen Sie hier das Video der Rede des Bundespräsidenten.

 

Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer, Ehrenpräsidentin des Freundeskreises, ging in ihren Worten auf den 75. Jahrestag des "Anschlusses" ein. Die Nazis hatten ihre Macht von oben, aber auch von unten erhalten. Die Verfolgung in Österreich sei härter und grausamer gewesen als in Deutschland, die Enteignungen besser organisiert, die Exilierungen viel brutaler. Die Nachkriegsjustiz habe bald das Interesse an der Strafverfolgung der NS-Täter verloren. Heute sei es Verpflichtung eines jeden einzelnen, sich mit der Geschichte zu befassen. Die Präsidentin warb um Mitgliedschaft für den Freundeskreis und forderte, dass die Österreichischen Freunde von Yad Vashem mit einer Basisförderung ausgestattet werden sollten.

Sehen Sie hier das Video zur Rede.

 

Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner, die auch für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen zuständig ist, bezeichnete es als persönliches Anliegen, die Erinnerung an den Holocaust hochzuhalten. Nur wer die Vergangenheit kenne, habe eine Zukunft. Es bedürfe vieler helfender Hände, die Erinnerungsarbeit weiterzuführen.

Der Botschafter des Staates Israel, Aviv ShirOn, betonte in seinen Grußworten die Bedeutung der Arbeit der Freunde von Yad Vashem für die jüdische Gemeinschaft. Das Richtige zu tun, sei für die Menschen in der NS-Zeit nicht leicht, sondern gefährlich gewesen. Aber auch heute sei es nicht selbstverständlich, das Richtige zu tun, so ShirOn.

Wiens Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg erinnerte daran, dass das Gedenken an die Shoah nicht Angelegenheit der Juden allein sei, sondern alle Menschen betreffe. Hinter dem Gedenken stünden keine Revanchegelüste, aber das Erinnern müsse weitergeführt werden.

Der Wiener Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny strich die Änderung des kollektiven Bewusstseins im Hinblick auf die NS-Vergangenheit hervor. Bei der Restitution sei man teilweise weiter als in Deutschland. Andererseits verwies der Stadtrat auch auf die kommende Ausstellung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem, die den österreichischen "Gerechten unter den Völkern" gewidmet ist. Diese 90 ÖsterreicherInnen hatten in der NS-Zeit ihr Leben riskiert, um Juden vor der Ermordung zu retten.

 

Die Chefhistorikerin Yad Vashems, Univ.Prof. Dina Porat, strich die Bedeutung der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte als zentrale Forschungsstelle der Shoa hervor. Die historische Wahrheit des Holocaust werde heute vielfach bezweifelt und angegriffen. Es würden viele Versuche unternommen, sie zu verändern oder als Lüge darzustellen. Dem müsse entgegengewirkt werden. Kaum einer der heute lebenden Menschen in Österreich sei am Holocaust beteiligt gewesen, so Porat. Aber alle Menschen auf dieser Welt seien verantwortlich für das, was von nun an geschehe.

 

 

Musikalisch lebendig umrahmt wurde die Jubiläums-Generalversammlung durch das Roman Grinberg Quartett „Klezmood“. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde anhand der neuen, deutschsprachigen Website vorgestellt. Die Tätigkeiten des österreichischen Freundeskreises wurden in einem neuen Informationsfilm präsentiert – ein Werk der Jugendorganisation der Österreichischen Freunde von Yad Vashem: „Jugend mit Geschichte“.