28.01.2013

Gedenkstunde zum Internationalen Holocaust-Gedenktag der UN

Am 28. Jänner 2013 luden die Österreichischen Freunde von Yad Vashem und die Stadt Linz wieder gemeinsam zu einer Gedenkstunde anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages ins Alte Linzer Rathaus ein. Im Pressezentrum des historischen Gebäudes las die Vorarlberger Jung-Autorin Maya Rinderer Passagen aus ihrem viel beachteten Debutroman „Esther“.

 

 

 

Der stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises, Ing. Gustav Arthofer, ging in seinen Begrüßungsworten auf das erst kurz zuvor in Oberösterreich entdeckte, schwer kriminelle Neonazi-Netzwerk „Objekt 21“ ein. Dass eine solche Gruppe überhaupt existieren konnte, zeige den akuten Handlungsbedarf. Besonders die jungen Menschen müssen vermehrt angesprochen und aufgeklärt werden.  Arthofer ging auch auf die kommende Ausstellung des Freundeskreises über die österreichischen „Gerechten unter den Völkern“ ein. Auch die UNO habe das heurige Jahr dem Andenken an diese Lebensretter während der      NS-Zeit gewidmet.

 

Man gedenke heute der Mordopfer des Holocaust in aller Hochachtung und Würde, so die grüne Landtagsabgeordnete und Menschenrechtssprecherin Mag.a Maria Buchmayr. Gedenktage seien aber auch dazu da, den Blick auf die Gegenwart zu schärfen und zu sehen, mit welchem Gedankengut man heute konfrontiert ist. So gehöre der Kampf gegen den Rechtsextremismus bei weitem nicht der Vergangenheit an. Immer noch werden jedes Jahr hunderte eindeutig rechtsextreme Straftaten registriert, die Dunkelziffer sei aber höher und nicht alles werde als rechtsextreme Straftat registriert – wie etwa ein Mord in Traun, der als tödlicher Nachbarschaftsstreit abgetan worden sei. Rechtsextremismus sei immer noch ein gesellschaftliches Problem. Es liege an uns allen, dagegen aufzustehen und die Mauer zu bilden, damit es zu keiner Wiederholung der Geschichte komme, so Buchmayr.

Auch der Linzer Vizebürgermeister MMag. Klaus Luger ging in seinen Worten auf das zerschlagene Neonazi-Netzwerk im Bezirk Vöcklabruck ein. Und er kritisierte eine Äußerung eines Lokalpolitikers zu Linzer Homosexuellen, der via Facebook gepostet hatte:  „Ab mit den Schwuchteln hinters VOEST-Gelände“. Das sei strafrechtlich klug formuliert gewesen, doch eine klare Anspielung auf das ehemalige Linzer Außenlager des KZ Mauthausen. Vieles beginne mit Verallgemeinerung, so Luger: Es werde von „den Ausländern“ gesprochen und von „den Jungen“ oder „den Alten“, als ob es homogene Gruppen wären. Aber es waren auch einmal „die Juden“, denen schließlich Gesichter und Individualität genommen wurden. Und man wisse, wo das hingeführt habe, so Luger. Er kritisierte auch Verunglimpfungen in der Politik – etwa durch die Verquickung von Ausländeranteil und Kriminalität oder der Darstellung von Bettlern als „Problem für das Stadtbild“. Luger forderte Respekt gegenüber Menschen ein, die anders sind.

Die junge Schriftstellerin Maya Rinderer las zwei Abschnitte aus ihrem viel beachteten Roman "Esther", den sie bereits im Alter von 12 Jahren vollendet hatte. Sie habe als Kind erst durch viel Nachforschen herausgefunden, dass ihr Großvater Holocaust-Überlebender war und seine ganze Familie verloren hatte, so die junge Frau aus Dornbirn. Das Schreiben sei ihre natürliche Art, mit Dingen umzugehen. Ursprünglich habe sie auch über ihren Großvater schreiben wollen, doch er konnte nicht aussprechen, was ihm zugestoßen war. Deshalb habe sie eine Geschichte und eine Protagonistin erfunden, die an Ihrer - Maya´s - Stelle, den Holocaust erlebt, damit die junge Schriftstellerin lernen könne, damit umzugehen. Der Roman spielt 1942 und handelt von dem 15jährigen Mädchen Esther, das durch einen Zufall der Deportation entgeht. Zu dieser Zeit hatten die Menschen noch keine Vorstellung von dem, was vor sich ging. Viele versuchten, es schönzureden. Der Romanfigur Esther gelinge es, Deutschland zu verlassen und bei einer Familie unterzutauchen. Für die Autorin war es aber wichtig, dass der Roman in Auschwitz endet - und dorthin führt für Esther auch der Weg.

Musikalisch eindrucksvoll und bewegend war der Querflötenvortrag der Linzer Flötistin Mirjam Arthofer, die in Linz und Jerusalem studierte. Die Gedenkstunde wurde auch vom neu gegründeten Verein „Jugend mit Geschichte“, der Jugendbewegung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem, filmisch dokumentiert. Durch das Programm führte Ursula Arthofer.